September 2010 – Grüße von der Kinderfrau: Japanische Wollmispel

Japanische Wollmispel in der Burbacher Straße

Japanische Wollmispel in der Burbacher Straße

Theodor Ernst Harnack, der Erbauer des 112 Jahre alten Hauses in der Burbacher Straße 51 – früher hieß es Burgstraße 148 – hätte seine Freude an der Wollmispel gehabt. Er war Handels- und Landschaftsgärtner, spezialisiert auf „Neuanlegung von Parks und Villengärten“.

Heute wohnt hier Günther Röbbeling. Er kann sich zwar nicht genau erinnern, aus welchem Urlaubsland ihm vor 25 Jahren der Setzling mitgebracht wurde, dafür kennt er aber die anderen Kessenicher Wollmispeln. Wenn er auf den Venusberg radelt, sieht er sie in den Vorgärten.

Da ist etwa der 20-jährige Baum Ecke Hausdorffstraße/August-Bier-Straße 9. Frau Güsgen hatte ihn gepflanzt, nachdem eine Nachbarin ihr die Frucht aus Teneriffa mitgebracht hatte. Vor drei Jahren trug er so reichlich, dass sie kaum wusste, wohin mit dem Obst. Jetzt ist sie umgezogen, aber die Nachmieter halten den Baum in Ehren.

Deutlich älter ist die Wollmispel von Frau Dr. Uta Meier-Fiedler. Vor 35 Jahren bekam sie in Barcelona von ihrer spanischen Kinderfrau ein Kistchen „nisperos“ geschenkt und zog eine Pflanze im Blumentopf. Nach einem Intermezzo in Zürich nahm sie das zarte Gehölz nach Bonn mit. Seither gedeiht es in der Gregor-Mendel-Straße 1 und trägt regelmäßig Früchte. Auch Frau Zepp, Bergstraße 28a, hat schon häufig das süßsaure Obst naschen können. Ihre Wollmispel wuchs aus einem Samen, den sie während einer Türkeireise in Antalya einsteckte. In ihrem Vorgarten, schräg gegenüber der alten Haribo-Fabrik, entwickelte sich daraus ein fünf Meter hoher Baum, der regelmäßig zurückgeschnitten werden muss. Die Bewohner der Luisenstraße 141 warten noch auf die erste Ernte. Dafür haben Johanna Bockelmann-Doll und ihre Kinder die dekorativen Bäumchen gleich im Doppel hinter den schmiedeeisernen Zaun ihres Backsteinhhauses gesetzt. Die Samen waren ein Mitbringsel aus dem Ibiza-Urlaub vor zehn Jahren.

Dass der subtropische Obstbaum bei uns überlebt, grenzt an ein kleines Wunder, laut Lehrbuch braucht er mediterranes Klima. Zum Glück können die Bäume nicht lesen. Ursprünglich kommt die Art aus Ostasien, wie ihr wissenschaftlicher Name (Eriobotrya japonica) verrät.

Wollmispelfrüchte in Kessenich

Wollmispelfrüchte haben die Größe und Farbe von Aprikosen. Nach milden Wintern werden sie bei uns im Juni reif.

Wenn im November die meisten anderen Gehölze Winterruhe haben, öffnen sich die weißgelben Blüten. Die duften wie Jasmin, weiß Frau Zepp stolz zu berichten, und manchmal holt sie sich zum Advent einen Zweig in die Wohnung.

  • Farbbild: Burbacher Straße 51
  • Weitere Standorte: siehe Text
  • Hier können Sie eine Übersicht unseres kompletten Kalenders für das Jahr 2010 einsehen.
  • Die Idee zu unserem diesjährigen Kalender sowie die Fotos und Texte stammen von Günter Matzke-Hajek, sein Bruder Dieter Matzke kümmerte sich um Form und Gestaltung.

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