Kalender 2010: Exotische Bäume im Bonner Süden
Liebe Kunden,
wer mit offenen Augen durch unseren Stadtteil geht, kann auf Schritt und Tritt exotische Bäume entdecken. Neben vertrauten Linden, Ahornen und Rosskastanien finden wir plötzlich amerikanische Robinien, asiatische Götterbäume oder Atlas-Zedern aus Afrika. Das milde Klima des Rheinlands macht es möglich – zusammen mit der Neugier und der offenen Art seiner Bewohner.
So wie bestimmte Baustile den Charakter von Straßenzügen im Bonner Süden prägen, so gehören auch markante Bäume zum Gesicht von Wohnvierteln und Gebäuden. Viele sind eng mit der Geschichte unseres Stadtteils oder den Geschichten ihrer Besitzer verknüpft …
Die Idee zu unserem diesjährigen Kalender sowie die Fotos und Texte stammen von Günter Matzke-Hajek, sein Bruder Dieter Matzke kümmerte sich um Form und Gestaltung. Das Ergebnis spiegelt die Zuneigung zu dem Stadtteil, in dem sie groß geworden sind. Ich danke beiden für die höchst unterhaltsamen und lehrreichen Ausflüge in unsere unmittelbare Nachbarschaft und für ein sehr persönliches Zeugnis der Verbundenheit mit Kessenich.
- Günter Matzke-Hajek, Jahrgang 1958, geboren und aufgewachsen in Kessenich, ist als promovierter Biologe wissenschaftlich und publizistisch tätig. Er lebt in Witterschlick bei Bonn.
- Dieter Matzke, Jahrgang 1957, geboren und aufgewachsen in Kessenich, arbeitet als Grafiker mit eigener Agentur in Berlin.
Das Team der Hausdorff-Apotheke wünscht Ihnen ein gesundes Neues Jahr 2010 und zwölf Monate lang viel Vergnügen mit den Exoten aus dem Bonner Süden!
Ihr Bernd Voss
PS:
- Hier schon einmal eine kurze Vorschau auf die Motive der einzelnen Monatsblätter. Wir werden zu Monatsanfang jeweils den vollständigen Kalendertext hier auf unserer Internetseite und auf unserer Facebook-Fanseite veröffentlichen.
- Bitte beachte Sie bitte auch den Spaziergang durch die Kessenicher Baumwelt, den wir an dieser Stelle auf Google Maps in Kürze auszeichnen werden.
Das Titelblatt unseres Kalenders 2010: An einem warmen Frühsommermorgen berühren erste Sonnenstrahlen die luftigen Baumkronen der Lederhülsenbäume (Gleditsia triacanthos) in der Pützstraße. Mehr zu diesem aus Nordamerika stammenden Baum auf dem Juni-Kalenderblatt.
Januar 2010: Der Kessenicher Türpfosten – der Riesenmammutbaum am Schnittpunkt von Bonner Talweg und Reuterstraße. Hätten ihn Baumpfleger vor einigen Jahren nicht stutzen müssen, würde er heute fast an der 30-Meter-Höhenmarke kratzen. Das düstere Gewächs mit der zylindrischen Krone ist ein Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum). Stoßzähnen gleich ragen bogige Äste aus seinem Stamm, behängt mit einem zotteligen Fell dunkelgrüner Zweige. Jahreszeiten, Staub und Abgase scheinen ihm nichts anhaben zu können — alle Details …
Februar 2010: Für Affen kein Problem – die Chilenische Araukarie, z.B. am Rheinweg 109 oder neben der alten Pfarrkirche St. Nikolaus. An ihr scheiden sich die Geister. Der eine schätzt ihre urweltlich anmutende Fremdheit und strenge Ornamentik, für den anderen besitzt sie den sterilen Charme eines Plastik-Weihnachtsbaums. Die Symmetrie und die sparsame Verzweigung hat sie mir ihrer kleinen Schwester, der Zimmertanne, gemeinsam, beide gehören zur gleichen Gattung.
März 2010: Rosa Wolken bis zum Dach – die Tulpen-Magnolie, z.B. am Erftweg 36 oder Auf der Steige 10. Gerne hätten wir den März mit einem Baum gefeiert, der zuverlässig in diesem Monat blüht, aber selbst die wenig frostempindliche Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana) schafft das nur an geschützten Standorten und erst zum Monatsende. Immerhin ist schon das Anschwellen ihrer pelzigen Knospen ein unfehlbares Zeichen, dass der Frühling begonnen hat.
April 2010: Hörst Du nicht die Glocken? Die Kaiser-Paulownie, zu finden hinter der Karl-Barth-Straße 61 oder der Karthäuserstraße 18. Würden in Kessenich fernöstliche Sitten herrschen, wären die wenigen vorhandenen Blauglockenbäume oder Kaiser-Paulownien (Paulownia tomentosa) vermutlich schon gefällt und zu Wäscheschränken verarbeitet worden. Andererseits dürften wir uns über viele junge Exemplare dieser Spezies freuen. Nach chinesischer Tradition nämlich wird der Baum anlässlich der Geburt einer Tochter gepflanzt und bei ihrer Verlobung gefällt.
Mai 2010: Das Liebesorakel vom Venusberg – vier Gewöhnliche Robinien auf dem Verteilerkreis Eduard-Otto-Straße/Bonner Talweg. Die meisten von uns nennen den Baum „Akazie“, obwohl er mit den richtigen Akazien nur entfernt verwandt ist. Die kommen nämlich in Afrika und Australien vor und gehören zu den Mimosengewächsen. Unser Baum dagegen ist ein Schmetterlingsblütler, so wie Ginster, Klee und Lupine. Er heißt deshalb Falsche Akazie, Scheinakazie oder besser Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia).
Juni 2010: Goldenes Konfetti – der Lederhülsenbaum im Nikolausschulhof Pützstraße 12. Der Pausenhof der Nikolausschule ist nicht der einzige Kessenicher Wuchsort des Lederhülsenbaums (Gleditsia triacanthos), aber vor der denkmalgeschützten Turnhalle aus dem Jahr 1908 sind seine Zweige besonders fotogen. Der Häufungsschwerpunkt dieses dekorativen und interessanten Exoten ist die Pützstraße zwischen Burbacher Straße und Hausdorffstraße. Erstaunlicherweise ist die Art bei Anliegern, Geschäftsleuten und Kunden dennoch fast unbekannt.
Juli 2010: Das Geheimnis in der Loeschckestraße – der Gewöhnliche Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) neben dem Reihenhaus Loeschckestraße 27 gab es schon, als dort Familie Bliefert im Jahr 1963 einzog. Zum Vergnügen der Kinder durfte diese Ecke des Gartens damals etwas verwildern, Sträucher und Stauden wurden nur unregelmäßig gestutzt. Hier konnte man unbeobachtet spielen und Gegenstände liegenlassen, die eigentlich ins Haus gehörten. Den Blicken der Eltern war „Das Geheimnis“, wie Sohn und Tochter ihr Versteck nannten, verborgen, denn die Giebelseite war fensterlos.
August 2010: Mini-Elefanten vor der Schule – die Kaukasische Flügelnuss in der Usenerstraße 1 oder der Graf-Galen-Straße 16. Als in Kessenich in den 1950er Jahren Wohnraum gebraucht wurde – Bundesregierung und Ministerien mussten schließlich viele neue Beschäftigte unterbringen – entstanden zahlreiche Reihenhäuser, sowohl im Dreieck zwischen Bonner Talweg, Reuter- und Lotharstraße als auch an der Karl-Barth-Straße (damals Germanenstraße) und ihren Abzweigungen. Zeitgleich wurden Dutzende von Laubbäumen gepflanzt – dabei kam auch die Flügelnuss zu Ehren.
September 2010: Grüße von der Kinderfrau – die Japanische Wollmispel. Theodor Ernst Harnack, der Erbauer des 112 Jahre alten Hauses in der Burbacher Straße 51 – früher hieß es Burgstraße 148 – hätte sicher seine Freude an der Wollmispel gehabt. Er war Handels- und Landschaftsgärtner, spezialisiert auf „Neuanlegung von Parks und Villengärten“. Heute blickt hier Günther Röbbeling von seinem Fenster aus in den hübschen Baum. Er kann sich zwar nicht genau erinnern, aus welchem Urlaubsland ihm vor 25 Jahren der Setzling mitgebracht wurde, dafür weiß er aber, wo es in Kessenich noch mehr Wollmispeln gibt.
Oktober 2010: Rot-Grün neben Schwarz-Gelb – die Sumpf-Eiche in der Renoisstraße 26. Den Sommer über ist die Sumpf-Eiche (Quercus palustris) ein Baum wie viele andere: groß, grün und unauffällig. Hätte sie nicht mehr zu bieten gehabt, dann hätte Heinrich Raderschall sie sicher gar nicht erst in seine Wunschliste aufgenommen, als er 1951 die Bepflanzung der Reutersiedlung plante. Der Bonner Landschaftsarchitekt wusste genau, dass die Blätter der Sumpf-Eiche nach den ersten kalten Oktobernächten mit einer Intensität erröten, die ihresgleichen sucht.
November 2010: Der mit dem kleinen Unterschied – der Ginkgo in der Oskar-Walzel-Straße, der Grünfläche neben der Reuterbrücke. Bereits vor 1.000 Jahren verehrten die Chinesen den Ginkgo (Ginkgo biloba) als heiligen Baum, und der alte Goethe widmete der Holzpflanze mit den fächerförmigen Blättern ein berühmtes Gedicht. So viel Respekt genossen die sieben Kessenicher Ginkgos nicht, die 25 Jahre lang die Hugo-Haelschner-Straße zierten.
Dezember 2010: Das Wahrzeichen von Kessenich – die Libanon-Zeder am Rheinweg 159/Ecke Franz-Bücheler-Straße. Schon im Alten Testament wurde die Libanon-Zeder (Cedrus libani) gerühmt. Seit jeher galt sie als Sinnbild von Beständigkeit, Frieden, Stärke und Fruchtbarkeit. Ein biblisches Alter kann man dem Naturdenkmal an der Ecke Rheinweg/Franz-Bücheler-Straße zwar nicht bescheinigen, aber der Stammumfang von drei Metern spricht für deutlich mehr als 100 Jahre.














